Der Lupenblick der Vögel

Zeichnungen und Installation von Katharina Quecke und Adrian Peters, Projektraum Bande, Karlsruhe, April - Mai 2015

 

 

 

 

Diese gemeinsame Ausstellung ist ein einmaliger visueller Dialog, zu dessen Anlass Adrian Peters und Katharina Quecke auch Gemeinschaftsarbeiten entwickelt haben (lifting,  Mixed Media Installation sowie steg, eine Installation aus Fundmaterial. Auf den ersten Blick verfolgen Quecke und Peters unterschiedliche Ansätze: Quecke arbeitet räumlich, sie bricht die Grenzen zur Dreidimensionalität auf und verleiht so dem Begriff des Bildes eine neue Bedeutung. Sie läßt mit der Technik des Cut-outs die Zeichnungen zu eigenen, schwebenden Objekten werden; in Raum-Installationen zeichnet sie ferner mit Linien und Flächen visuell in den Raum hinein.  Peters geht es um eine Auseinandersetzung mit dem Zufall, Streuungen spielen hierbei eine zentrale Rolle. Eine Mischung aus Kalkulation und Intuition prägen den minutiösen Prozess seiner Bildentstehung. Das Resultat seiner Arbeiten ist immersiv, dieselben scheinen aus Zeit und Raum herauszutreten.

 

Quecke und Peters teilen jedoch entscheidende Gemeinsamkeiten. Sie sehen ihre Arbeit als visuelle Forschungsprozesse auf der Suche nach Sinn-Feldern, die jenseits der alltäglichen Wahrnehmung und außerhalb der symbolischen Ordnung liegen. Ferner sind beide Kunstschaffende jenseits des postmodernen Ikonoklasmus einzuordnen: sie glauben an neue Bildwelten und an das Unsagbare in der Kunst. In der Ausstellung entfalten sie eine Landschaft des visuellen Schreibens und Denkens, das seine Spuren in einer Geographie von Zeichnungen hinterlässt, auch installativer Natur. Auffällig ist hierbei die spielerische Präsentationsform in welcher die Werke sich nicht auf den Rahmen an der Wand beschränken lassen, sondern zu einer neu geschaffenen Räumlichkeit einladen, die in dieser Einmaligkeit nicht mehr stattfinden wird.

 

Der Titel „Lupenblick der Vögel“ hat etwas mit dem zeichnerischen Ansatz von Quecke und Peters zu tun, mit dem Mikro- und Makrokosmos einer Perspektive, welche Vögel vielleicht am extremsten erfahren: als kleine Erdbewohner nehmen sie Dinge in ihrer Umgebung wahr, die Menschen nur aus der Distanz kennen oder ihnen gänzlich entgehen; als erfahrene Reisende in der Luft sehen sie den Erdraum von weit oben, können ihre Distanz jedoch jederzeit selbst bestimmen und so perspektivischen Stillstand erfahren. Wenn Vögel einen Lupenblick einnehmen können, dann weil sie scharf durch die Dinge hindurchblicken, und genau das haben Queckes und Peters’ Zeichnungen gemeinsam, dass sie sich über die konkrete Welt hinwegsetzen, diese aber zugleich unter die Lupe nehmen, während sie sich visuell zwischen Abstraktion und Figuration bewegen.

 

(Aus der Eröffnungsrede von Christine Reeh, gehalten am 25.04.2015 im Projektraum Galerie Bande, Karlsruhe)

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