PRESSE

Außerhalb von Zeit und Raum:

Unendlichkeit im Werk von Adrian Peters

 

Werkgespräch, Galerie Grandel Mannheim, 24. Oktober 2015, 19.00Uhr

 

Das Bild, das Unbeschreibliche und das Unendliche

 

Adrian Peters’ Bild zeichnet sich durch einen Überschuss an Details aus, wobei es sich nicht um ein Detail im Bild handelt, sondern um ein Bild als Detail. Ein Bild, das aus unzählig vielen Details besteht, kann man nicht vollständig erblicken. Adrians Bild entzieht sich daher dem Blick. Man sieht es und sieht es doch nicht. Man kann es buchstäblich nur im Detail sehen, das sich dem Wissen stets entzieht. Diese Unmöglichkeit des Sehens und Begreifens gründet das Unbeschreibliche seines Bildes. Das Sichtbare in seinem Bild entzieht sich dem Sagbaren und eröffnet gleichzeitig unendliche Möglichkeiten der Interpretation.

Dennoch bahnt sein Bild sich durch die geschickt eingesetzte Differenzierung zwischen Hell und Dunkel, Weiß und Schwarz Wege, die den Blick leiten. Die Hell-Dunkel-Differenz erzeugt einen musikalischen Rhythmus und Bewegung im Bild. Die Differenz zwischen Schwarz und Weiß, ja Schatten und Licht konfiguriert das Bild als Ganzes. Bemerkenswert ist dabei, dass nicht das Bunte und Helle, sondern der Schatten das Thema seines Bildes ausmacht. Sein Thema ist das Negative, das dem Fotonegativ ähnelt. Sein Bild stellt nicht die Realität dar, sondern eine andere, negative Welt. Es lässt sich interpretieren als eine bewusste Abwendung von der schrillen bunten Welt, die einer Bilderflut gleicht. Im vollkommenen Gegensatz zu den omnipräsenten medialen Bildern der Gegenwart ist sein Bild leise, intim und langsam.

Adrian arbeitet mit dem Bleistift. Sein Bild entsteht langsam durch die akribische Arbeit mit dem Bleistift. Das ist eine meditative Arbeit, die den Maler und den Betrachter gemeinsam zur Entschleunigung einlädt. Wir sind dabei gezwungen, sein Bild aus nächster Nähe zu betrachten, da es aus kleinsten Details besteht. Wir treten so mit seinem Bild in eine intime Atmosphäre ein, die uns freudig empfängt.

Die Erscheinungsform seines Bildes ähnelt einer Luftbildaufnahme. Man sieht dort Häuser, Wege, Wind und Schatten. Es ist die Welt  aus der Vogelperspektive oder aus der Perspektive der Ewigkeit gesehen. Es könnte auch ein Universum aus Licht und Schatten sein. Die Hell-Dunkel-Differenz in seinem Bild entspricht dabei nicht der metaphysischen Differenz zwischen Sein und Nichts, die als absolute Differenz zu verstehen ist, sondern vielmehr der zen-buddhistischen Differenz zwischen Form und Leere. Dem Buddhismus zufolge lassen sich Form und Leere nicht als Gegensatz verstehen, sondern die Leere impliziert die Form bereits in sich. Das heißt, Leere ist nicht Nichts, sondern vielmehr die Potenz, die die Welt erst entstehen lässt. Adrians Bild macht sichtbar, dass nicht markierte, leere Stellen geradezu konstitutiv für die Bildentstehung sind. Sie sind nicht der Rest von der Summe aller markierten Stellen, sondern der konstitutive Bestandteil des Bildes, der das Bild als Spiel mit der Grunddifferenz zwischen Form und Leere erst entstehen lässt.

 

Prof. Dr. Hyun Kang Kim, Oktober 2015

 
 
Ausdrucksstarke Strukturen

Dem Unendlichen auf der Spur: Adrian Peters in der Mannheimer Galerie Grandel

Von Tanja Binder (Freie Journalistin)
 

Seine Bilder erinnern an Jackson Pollock, weisen allerdings deutlich systematischere Strukturen auf. Kein Wunder, schon als Kind interessierte sich der Maler Adrian Peters für die großen, wiederkehrenden Strukturen der Welt. Vom 2. März bis 14. April 2014 sind seine Bilder in der Mannheimer Galerie Grandel zu sehen.

 

Ein funkelnder Sternenhimmel mit Kometenstreifen, angedeutete Baumstämme im Gegenlicht, die Luftaufnahme einer ländlichen Region. Die schwarz-weißen Zeichnungen von Adrian Peters sehen mit ihren fein gezeichneten Linien, Strichen und Punkten aus wie die Negativabzüge von organischen Strukturen.

"Ich interessiere mich für Mikro- und für Makrokosmen, für alles, was unendlich groß und dadurch unendlich klein ist", erklärt Peters. Seine Zeichnungen sind unter dem Titel "Eroberte Räume" zusammen mit Arbeiten von André Wischnewski vom 2. März bis 14. April 2014 in der Mannheimer Galerie Grandel zu sehen. Die Eröffnung der Ausstellung findet am 1. März um 18:00 Uhr statt.

 

Schon als Kind von Strukturen fasziniert

Angefangen hat der gebürtige Karlsruher Mitte der 1990er Jahren mit der Kunst. Damals experimentierte er mit verschiedenen Drucktechniken. Er nutzte Fundstücke aus Fabriken, wie beispielsweise alte Holzplatten. Später ergänzte er seine Drucke zeichnerisch, bis schließlich irgendwann nur mehr die Zeichnung blieb. "Mich interessiert das Serielle, das Zeitliche, das Unendliche. Es liegt spürbar in meinen Arbeiten." Seine Herangehensweise beschreibt er als intuitiv: "Ich drücke nur aus, was in mir steckt. Schon als kleines Kind war ich fasziniert von Strukturen."

Geboren wurde Adrian Peters 1968 und wuchs als Sohn einer Mixed-Media-Künstlerin und eines Bildhauers in Karlsruhe, auf Elba und in der Karibik auf. Obwohl – oder gerade weil beide Elternteile Künstler waren, absolvierte Peters erst einmal eine Ausbildung zum Steinmetz, bevor er mit Ende zwanzig seine künstlerische Arbeit verstärkt aufnahm.

 

Technik der Aussparung

Wenngleich seine Zeichnungen, die Titel tragen wie "speed inc III", "air_nited", "Ultra Vivid" oder "Monster WG", meditativ wirken, so ist dies der Arbeitsprozess keineswegs. Die Technik der Aussparung, die der 46-Jährige frei Hand und ohne Schablone anwendet, erfordert seine volle Konzentration. Nur wenige Bleistiftlinien benötigt er als Vorzeichnung. Wegradiert wird nichts. Dass er für seine Kunst nur einen Bleistift und ein Blatt benötigt, sieht er als großen Vorteil: "Ich kann zum Beispiel auch arbeiten, während ich in der Musikschule auf meinen Sohn warte."

Oft ist eine eigene Zeichnung Ausgangspunkt für eine neue. "Ich frage mich, was kann ich noch besser machen. Ich bin sehr perfektionistisch", gesteht er. Jedoch muss das Ergebnis weiterhin zufällig wirken. "Kalkulierter Zufall" nennt Peters das und bezeichnet seine Zeichnungen als eine Umkehrung des abstrakten Expressionismus, wie beispielsweise von Jackson Pollock.

 

Das Ursprüngliche im Visier

Gerne tauscht sich Adrian Peters mit Betrachtern über seine Kunst aus. Eine bestimmte Intention verfolge er jedoch mit seinen Zeichnungen nicht. Und doch wirkt er wie ein Suchender, der etwas Großem auf der Spur ist – vor allem wenn er über seine künstlerische Arbeit spricht.

"In meinen Zeichnungen ist dieser Hauch von etwas, dieses Unsagbare, Rätselhafte, das unser gesamtes Dasein ausmacht", ringt er um die richtigen Worte. "Ich interessiere mich für das Ursprüngliche, das Universelle in uns – das macht für mich die Wesentlichkeit meiner Kunst aus."

 

Veröffentlicht am Freitag, 28. Februar 2014 auf regioactive.de

Gleißende kosmische Zündspur

BNN, 3. Januar 2013

Januar 2013, Michael Hübl (Badische Neueste Nachrichten, Karlsruhe)

Gleißende kosmische Zündschnur

Adrian Peters stellt Zeichnungen in der Atelergalerie Preview.Süd aus / Am Samstag Finissage

 

„Monster WG” nennt Adrian Peters eine seiner Zeichnungen und man fragt sich: Monster? Wohngemeinschaft? Wo? Der Blick hat sich in der Ausstellung, die der Künstler derzeit in der Ateliergalerie Preview.Süd zeigt, daran gewöhnt, lediglich abstrakte Strukturen wahrzunehmen, die fein und filigran über die einzelnen grafischen Blätter wuchern. Wie bitte schön, soll man da eine „Monster WG“ erkennen? Ganz einfach. Man muss nur das tun, was sich bei den Arbeiten des 44-jährigen ohnehin empfiehlt, besser: als unabdingbar erweist. Sprich: genau hinsehen. Denn tatsächlich lassen sich da ein stilisiertes Gesicht und ein spitzohriges Geschöpf mit scharfen Säbelzähnen entdecken. Monster? Ja. WG? Ja. Geht schließlich auch ald Duo zwischen Mensch und Tier, wie schon Joseph Beuys und der Kojote 1974 bei der Aktion „I like America and America likes Me“ demonstrierten.

Peters ist von seiner Berufsausbildung Steinmetz. Seine Eltern, so gibt er an, waren beide Künstler – ein Umstand, der ihn einerseits von Kind an mit Fragen der Gestaltung vertraut machte, ihn andererseits schon früh die existenzielle Unsicherheit dieses Berufes spüren ließ. Wiederholte Ortswechsel in der Jugend mit mehrjährigen Aufenthalten auf Elba oder der Karibik taten ein Übriges: „Das Streben nach finanzieller Sicherheit und Familiengründung war ihm eine wichtige Neuerfahrung, und so kam erst vor wenigen Jahren die Entscheidung auf, mit dem künstlerischen Werk an die Öffentlichkeit zu treten“, heißt es in einem kleinen Katalog, den Peters anlässlich seiner jüngsten Ausstellung herausgebracht hat.

Die Abbildungen dort können – wie jede Reproduktion dieser Blätter – nur einen ungefähren Eindruck vermitteln, mit der Adrian vorgeht. Mitunter entsteht der Eindruck, die Arbeiten seien am Computer entstanden und mit dem Plotter zu Papier gebracht, derart präzise sind sie gezeichnet. Dabei verwendet der Künstler ausschließlich Bleistifte, mit denen er die zartesten Grautöne aufs Blatt setzt, um von hier aus zu allen möglichen Schattierungen bis hin zu tiefster Dunkelheit vorzustoßen.

Wie verfremdete Stadtpläne sehen die Zeichnungen mitunter aus. Oder wie umgeschriebene Luftaufnahmen, auf denen weiße Punkte die Dichte von Bombenabwürfen markieren. Dann wieder sieht es aus, als hätten sich organische Zellstrukturen über die Fläche verbreitet und Peters sei ihnen mit mikroskopischer Neugier gefolgt. Alles wächst, vernetzt, verquickt sich, und dann wieder läßt der Zeichner komplette Areale weiß, so dass die Balance zwischen positiv und negativ, leer und bezeichnet ins Wanken gerät: Was ist wichtiger – das, was in minutiösen Kürzeln und konzentrierten Schraffuren aufgetragen wurde, oder die hellen Leerstellen, das Licht?

Einmal in seiner Arbeit „Ultra Vivid“ (2010), bricht sich die Helligkeit wie eine gleißende kosmische Zündschnur Bahn. Umspielt von energetisch schwindenden Sinuskurven zerreißt sie ein hoch verdichtetes Dunkel. Mit obsessivem Druck ist hier das Instrument Bleistift eingesetzt, und so wird das Aufsprengen, das Peters da vor Augen führt, zu einem Signet für die Kraft oder wenigstens eine Option von Kunst: Sie kann Strukturen aufzeichnen, Netze auswerfen und festzurren, und hat doch alle Freiheit, aus der Gegebenheit auszubrechen. Zumindest, was ihre bildliche Seite anbelangt.

 

Galaktische Strukturen

Juli 2011, Dr. Martina Kitzing-Bretz (Stimme.de)

Galaktische Strukturen – Eva Maria Lopez und Adrian Peters aus Karlsruhe stellen in der Galerie Grandel aus

 

BAD RAPPENAU Schwarz-weiße Graphitzeichnungen von Adrian Peters mit Strukturen, die an ferne Galaxien erinnern, und Fotografien von Städten und deren Stimmungen von Eva Maria Lopez vereinen sich in der Ausstellung ‘scapes und spaces’ in der Galerie Grandel zu einer Schau zeitgenössischer Kunst zweier südwestdeutscher Künstler.

 

Zeichnungen An fernöstliches Schattenspiel lassen die Zeichnungen von Adrian Peters denken, der – 1968 in Karlsruhe geboren – dort lebt und arbeitet. Im Frühjahr 2011 hat er sich in der kultigen Süstadt zusammen mit zwei weiteren Karlsruher Künstlern in einer Atelier- und Galeriegemeinschaft niedergelassen und schaffen in den Atelieräumen seine Zeichnungen und Installationen. Mit dem Graphitstift zeichnet der gelernte Steinbildhauer Strukturen, die von den Schatten im Wind bewegter Naturformen inspiriert sind. Dynamisch und porös, erwecken die fein gezeichneten Formen den Eindruck mikroskopisch betrachteten Zellgewebes. Zugleich eröffnen die Abstufungen der Grautöne einen Raum, der galaktisch anmutet oder wie eine Luftbildaufnahme der Erde wirkt. Mikro- und Makrowelt gehen in seinen Bildern eine mehrdeutige Symbiose ein.

 

Architekturfotos Ebefalls in Karlsruhe lebt und arbeitet die 1966 geborene Künstlerin Eva Maria Lopez, die allerdings um die ganze Welt reist, um ihre Architekturfotos zu schießen.

 

(...)

Druckversion Druckversion | Sitemap
© ADRIAN PETERS

Diese Homepage wurde mit 1&1 MyWebsite erstellt.